Kick-Off zu den Berliner Energietagen: Praxisgruppe Nullemissionsplanung startet mit drei Portfolio-Beispielen

Kick-Off Praxisgruppe Nullemissionsplanung

Drei konkrete Wege zur Umsetzung im Portfolio

Die Dekarbonisierung von Wohnungsbeständen wird im Portfolio entschieden – nicht in der Theorie oder im Konzept. Die finanzgerechte Gestaltung von Wohnungsbeständen ist keine Zukunftsfrage mehr – sie ist eine Umsetzungsaufgabe im Bestand. Mit dem Kick-Off der Praxisgruppe „Nullemissionsplanung“ wurde genau dieser Ansatz erstmals anhand konkreter Beispiele greifbar. Gegründet wurde im Mendelssohn-Saal der IHK Berlin anlässlich der “Berliner Energietage”. Deren 60 Veranstaltungen waren auch die perfekte Einbettung in einen kompletten Rundum-Blick auf alle Aspekte aktueller Zukunfts-Aufgaben. Mit dem Kick-Off der Praxisgruppe „Nullemissionsplanung“ startet ein Format, das genau hier ansetzt: konkrete Umsetzung statt abstrakter Strategie.

Warum diese Praxisgruppe jetzt relevant ist

Wohnungsunternehmen stehen vor drei zentralen Herausforderungen:

  • steigende Anforderungen an Klimaneutralität
  • unsichere Investitionsbedingungen
  • fehlende skalierbare Umsetzungsmodelle

Die Praxisgruppe setzt genau hier an:
Austausch auf Augenhöhe + konkrete Projektansätze + direkte Übertragbarkeit

Zur Gründung wurde auch der thematische Zusammenhang zwischen der Dekarbonisierung und der “Nullemissionsplanung” deutlich: Die vortragenden Führungskräfte der Immobilienwirtschaft skizzierten konkrete Portfolio-Beispiele anhand von Datenpools, der Auflösung alter Datensilos hin zu abteilungs-übergreifenden Darstellungen. So entstand ein erster Einblick auf jeweils individuelle Maßnahmen in völlig unterschiedlichen Quartieren bis hin zur umgesetzten Dekarbonisierung 2035. Der Fokus der Tagung lag auf der Tiefengeothermie und weiteren nicht-fossilen Quellen.

In seiner Begrüßung skizzierte Jörg Lorenz, Vorstandsvorsitzender des CO2zero eV. die Arbeitsebene zur praxisnahen Dekarbonisierung. Gleich zu Beginn stellte Lorenz die “Luft-Wärmepumpe” als “frühen Champion” (rot umkreist) vor, da diese aktuell bereits in Massen umgesetzt wird. Gleich im ersten Vortrag wurde dies aufgenommen. Demgegenüber ist die Tiefengeothermie (blau umkreist) der späte Champion, da hier die Vorlaufzeiten ungleich höher sind. Doch das Warten kann sich lohnen:

Deutlich höheres Potenzial (mehr als 1000 TWh/a) als Bedarf: (577 TWh/a im Heizwärme-Sektor Gebäude, Quelle: CO2zero

Der Vorstandsvorsitzende des Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ), Klaus Leuchtmann eröffnete die Referate mit einem Ausblick auf die Anforderungen an den Wissenstransfer: Während Luft-Wärmepumpen mittlerweile zu den Alltags-Erledigungen der Wohnungswirtschaft zählen, gibt es praktisch kaum Detailwissen um die meisten anderen nichtfossilen Energiequellen und deren Integration ins Portfolio:

Quelle: EBZ Bochum Klaus Leuchtmann

Drei Beispiele stehen für drei unterschiedliche Umsetzungslogiken im Portfolio. Hier wurde der eigentliche Mehrwert detailliert behandelt:
Der stellvertretende Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der kommunalen und öffentlichen Wohnungsunternehmen des GdW, Ingo Wöste von der Wohnungsgesellschaft Werdohl GmbH erläuterte in der ersten Praxis-Vorstellung, wie sein Unternehmen 2035 mit einem nur auf den Dekarbonisierungs-CapEx fokussierten Maßnahmekatalog klimaneutral bei weiter bezahlbaren Warmmieten sein wird. Kernaussage: Wärmepumpen sind bereits heute wirtschaftlich einsetzbar!

IST versus SOLL-Werte mit verbundenen Investitionen, Quelle: Ingo Wöste,, Woge Werdohl

Dr, Christina Quensel von der Campus Berlin Buch GmbH stellte ein komplett anderes Quartier vor: Nichtwohn-Gebäude in einer großen zusammenhängenden Landes-Liegenschaft, deren Fernwärmeversorgung komplett auf Tiefengeothermie umgestellt wird. Dazu konnten erhebliche Fördermittel bereits für die Machbarkeitsstudie eingeworben werden und die zielführende Diskussion mit dem Fernwärme-Versorger auf eine sachliche Basis gestellt werden.
Kernaussage: Quartierslösungen ermöglichen Skalierung:

Mit Tiefengeothermie zur Dekarbonisierung im Portfolio, Quelle: CBB GmbH

Im Portfolio der Arbeiter-Baugenossenschaft “Paradies” in Berlin verschmelzen sozusagen die Charakteristika der beiden vorgenannten Quartiere zu einem typischen Außenbezirks-Profil: klassisch mit Gas beheizte Bestände sollen tiefengeothernmisch auf einen Schlag dekarbonisiert werden. Gleichzeitig sollen die außenbezirks-typisch benachbarten Privat-Eigentümer in die Stadtteil-Lösung mit einbezogen werden; haben diese doch schließlich die gleichen Herausforderungen in einem Stadtteil zu bewältigen, der laut kommunaler Wärmeplanung nicht mit Fernwärme versorgt wird. Vorstand Daniel Schulz präzisierte dies zu seiner Kernaussage: Tiefengeothermie als strategische Grundlastlösung:

IST-SOLL-Darstellung Portfolio ABG Paradies, Quelle: ABG Paradies eG.

Die drei vorgestellten Ansätze stehen exemplarisch für unterschiedliche Dekarbonisierungspfade: von kurzfristig umsetzbar bis strategisch grundlastfähig.

Einordnung: Der Dekarbonisierungspfad

Die vorgestellten Beispiele zeigen drei typische Pfade:

  • kurzfristig: Wärmepumpenlösungen im Bestand
  • mittelfristig: Quartiersintegration
  • langfristig: geothermische Grundlastsysteme

Entscheidend ist nicht die Technologie – sondern die Einbindung ins Portfolio. Die drei Beispiele zeigen keine Einzelprojekte – sondern typische Entscheidungswege:

  • schnelle Umsetzung im Bestand (Wärmepumpe)
  • Skalierung über Quartiere
  • strategische Grundlast (Geothermie)

Damit wird Dekarbonisierung erstmals als Portfolio-Logik greifbar.


Ziel der Praxisgruppe

Die Praxisgruppe versteht sich als Arbeitsplattform für Führungskräfte mit klarer Zielsetzung:

  • Austausch auf Entscheiderebene
  • Entwicklung konkreter Umsetzungsstrategien
  • Übertragung auf eigene Bestände

Von der Idee zur Projektierung


Fazit

Die Wärmewende ist keine Technologiefrage – sondern eine Managemententscheidung.

Die Praxisgruppe liefert dafür:

  • konkrete Umsetzungsmodelle
  • belastbare Erfahrungswerte
  • direkte Übertragbarkeit

→ vom Projekt zur Strategie

Die Wärmewende entscheidet sich nicht im Konzept, sondern im Portfolio.

Die Praxisgruppe Nullemissionsplanung liefert dafür:

  • konkrete Beispiele
  • belastbare Entscheidungsgrundlagen
  • direkten Wissenstransfer

Umsetzung statt Diskussion

Die Praxisgruppe macht diese Pfade konkret – und übertragbar auf eigene Bestände. Die ersten drei Beispiele fließen nun in die beginnende Gruppenarbeit ein. In die weiteren Portfolien der Mitglieder sollen Erkenntnisse dazu eingebettet werden, wo immer dies einen Mehrwert darstellt. Alle Werkzeuge dazu werden geteilt, notwendige Beratungsinhalte dazu in praxisgerechte Module “Software-Beratung-Ausschreibung” nach Erfordernis der Gruppe konfiguriert. Viel Arbeit. Aber das Ziel lohnt: Umsetzung des Dekarbonisierungspfades unter Nutzung vorhandener Finanzen zwecks optimaler “Ausbeute” für die Portfolio-Gestaltung.

Alle benannten Vorträge werden hier verlinkt, damit auch weitere interessierte Wohnungsunternehmen einen ersten Eindruck von den erreichbaren Praxiszielen gewinnen können. Jeder einzelne Vortrag wird zudem in den kommenden Wochen gründlich filmisch aufbereitet, mit einem persönlichen Intro der Referenten versehen und in der Gruppe geteilt.

Last but not least wird nun ein erstes Fachseminar explizit zu den Einbettungs-Technologien aus nichtfossilen Quellen konfiguriert und in der Gruppe umgesetzt. Auch dazu folgen in den kommenden Wochen und Monaten weitere Detail-Informationen hier im Blog und im LinkedIn-Konto der Praxisgruppe.