Wohnungswirtschaft und Wärmepreis-Stabilität
Energieautarkie im Wärmemarkt und Gasmarkt
Berlin, den 17.03.2026
Die Wohnungswirtschaft war und ist ein maximal betroffener Großabnehmer des fossilen Heizmediums „Gas“, Tendenz: stark fallend, aber auch in den kommenden 10 Jahren bleibt diese Abhängigkeit – als direkter Kunde oder als FW-Abnehmer von Versorgern, die Gas einsetzen. Die EE-Klassen werden auf dieser Basis gebildet. Gleichzeitig wird die Wohnungswirtschaft direkter Gestalter von Wärmepreisen auf tiefengeothermischer Basis – als Selbstversorger mit eigenem CAPEX oder als FW-Kunde von Versorgern, die Tiefengeothermie als Dekarbonisierungsenergie mit deren CAPEX einsetzen und die Wohnungswirtschaft als OPEX-Kunden einordnen. Die Konsequenzen für die EE-Einordnung bleiben. Ob rückblickend auf fossiles Gas oder in die Zukunft auf die Tiefengeothermie: entscheidend ist eine die Frage: Wie lässt sich die Energieversorgung so gestalten, dass sie weniger anfällig für geopolitische Krisen und globale Preisschocks wird?

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell internationale Energiemärkte destabilisiert werden können. Zwischen 2010 und 2019 bewegten sich europäische Gaspreise meist zwischen 15 und 25 Euro pro Megawattstunde. In der Energiekrise 2022 dagegen schossen sie zeitweise über 300 Euro hinaus. Für die Wohnungswirtschaft bedeutete das massive Kostensteigerungen, falls keine langfristigen Lieferverträge vorlagen.
Der Kern des Problems liegt in der Importabhängigkeit. Wer Energie aus dem Ausland beziehen muss, ist nicht nur von Liefermengen abhängig, sondern auch von Preisen, die auf globalen Märkten entstehen.
Die Wärmewende adressiert einen Teil dieses Problems. Technologien wie heimische Tiefengeothermie, Wärmepumpen und Fernwärmenetze reduzieren den Gasbedarf im Gebäudesektor. Besonders Geothermie kann dabei eine stabilisierende Rolle spielen, weil ihre Wärmegestehungskosten unabhängig von internationalen Brennstoffpreisen sind.
Nebenaspekt abseits der Wohnungswirtschaft: selbst in einem transformierten Energiesystem wird fossiles Gas nicht vollständig verschwinden. Industrieprozesse, Reservekraftwerke und bestimmte chemische Anwendungen werden weiterhin auf Gas angewiesen sein.
Heimische Gasressourcen könnten in diesem Kontext eine strategische Rolle spielen. Sie würden Deutschland nicht vom europäischen Gasmarkt entkoppeln. Aber sie könnten Importabhängigkeit reduzieren und damit die Verwundbarkeit gegenüber geopolitischen Preisschocks verringern.
Die Energieökonomin Veronika Grimm argumentiert in energiepolitischen Debatten häufig, dass Wettbewerb auf Energiemärkten durch eine größere Zahl von Angebotsoptionen stabilisiert wird. Mehr mögliche Anbieter bedeuten weniger Marktmacht einzelner Lieferländer. Die Kombination aus Wärmewende und heimischen Gasoptionen könnte deshalb eine doppelte Wirkung entfalten: weniger Gasverbrauch und geringere Importabhängigkeit.
Geothermie stärkt die Autarkie im Wärmemarkt. Heimisches Gas könnte die Autarkie im verbleibenden Gasmarkt stärken. Beides zusammen würde die Fähigkeit Deutschlands erhöhen, Energiepreise und Energieversorgung weniger stark von weltpolitischen Krisen bestimmen zu lassen.
Warum Geothermie und heimisches Fracking zwei komplementäre Strategien zur Stabilisierung von Energiepreisen sein können
Ziel: Preisstabilität als Kern moderner Energieautarkie
Die energiepolitische Diskussion in Deutschland wird oft entlang einer einfachen Linie geführt: erneuerbare Energien auf der einen Seite, fossile Energien auf der anderen. Doch diese Gegenüberstellung greift zu kurz, wenn man die entscheidende Herausforderung moderner Energiesysteme betrachtet – Preis- und Versorgungssouveränität.
Deutschland ist als Industrieland in besonderem Maße von zwei Märkten abhängig:
- dem Wärmemarkt für Gebäude und Fernwärme,
- dem Gasmarkt, der große Teile der Wärmeversorgung und der Industrieenergie beeinflusst.
Die zentrale strategische Frage lautet daher:
Wie lassen sich diese beiden Märkte so gestalten, dass Preisexplosionen und geopolitische Abhängigkeiten möglichst gering bleiben?
Zwei Instrumente können dabei – trotz sehr unterschiedlicher Technologien – eine gemeinsame Rolle spielen:
- der Ausbau heimischer Wärmequellen wie Tiefengeothermie: aktuelle Gasmengen werden nicht mehr benötigt
- die mögliche Nutzung heimischer Gasressourcen durch Fracking als Ersatz derjenigen Importmengen, die sowieso außerhalb unseres Landes aus Fracking entstehen.
Der erste Ansatz reduziert den Gasbedarf. Der zweite reduziert die Importabhängigkeit für den verbleibenden Bedarf. Beide wirken somit auf denselben strategischen Punkt: mehr nationale Kontrolle über Energiepreise.
1. Ein fallender Gasmarkt verändert die Rolle nationaler Förderoptionen
Die verbreitete Annahme lautet, dass heimische Gasförderung an Bedeutung verliert, wenn der Gasverbrauch langfristig sinkt. Diese Annahme folgt einer klassischen Mengenlogik: Wenn ein Markt kleiner wird, verliert Produktion an Bedeutung.
Doch energiepolitisch entscheidend ist nicht nur die Größe eines Marktes, sondern seine Systemrelevanz. Wenn Gas künftig stärker auf wenige Anwendungen konzentriert wird – etwa Industrieprozesse, Reservekraftwerke oder bestimmte chemische Anwendungen – steigt die Bedeutung der verbleibenden Mengen.
Der Ökonom Volker Wieland betont in energiepolitischen Debatten regelmäßig, dass Energiesysteme nicht nur nach Effizienz, sondern auch nach Resilienz gegenüber externen Schocks bewertet werden müssen. Damit entsteht eine andere Perspektive:
| Perspektive | Bedeutung heimischer Gasförderung |
| Wachstumsmarkt | sinkende Nachfrage reduziert Bedeutung |
| Restmarkt | sinkende Nachfrage erhöht strategische Bedeutung |
Fracking wäre damit kein Wachstumsprojekt, sondern eine Restmarkt-Sicherungsoption auf Zeit.
2. Energieautarkie bedeutet vor allem Preisresilienz
Autarkie bedeutet im modernen Energiesystem nicht vollständige Selbstversorgung. Sie bedeutet vor allem geringere Verwundbarkeit gegenüber externen Preis- und Lieferentscheidungen.
Diese Verwundbarkeit entsteht aus zwei Faktoren:
| Dimension | Beschreibung |
| Mengenabhängigkeit | Energie muss importiert werden |
| Preisabhängigkeit | Preise werden außerhalb des Landes gebildet |
Gerade der europäische Gasmarkt zeigt diese doppelte Abhängigkeit besonders deutlich.
Der Ökonom Stefan Kolev weist in ordnungspolitischen Debatten darauf hin, dass wirtschaftliche Stabilität häufig durch Diversifizierung von Angebotsquellen entsteht – ein klassisches Prinzip der Risikostreuung.
3. Autarkie im Wärmemarkt: Preisstabilität durch Tiefengeothermie
Der deutsche Wärmemarkt ist einer der größten Energieverbrauchsbereiche. Ein erheblicher Teil der Gebäude wird weiterhin mit Gas beheizt. Der Ausbau von Tiefengeothermie verändert diese Struktur grundlegend.
Anders als fossile Brennstoffe ist Geothermie keine handelbare Energiequelle externer Profiteure. Sobald ein geothermisches System erschlossen ist, entstehen die Kosten hauptsächlich durch:
- Betrieb,
- Wartung,
- Finanzierung der Infrastruktur.
Die Energiequelle selbst ist kostenlos. Ein Paradigmenwechsel mit dramatischen Konsequenzen für diejenigen, die uns seit 1973 gern mal unsere Grenzen aufgezeigt haben.
Durch Autarkie entstehen vergleichsweise stabile Wärmepreise, die weit weniger anfällig für internationale Energiepreisschocks sind. Viele geothermische Projekte kalkulieren mit langfristigen Wärmegestehungskosten in Bereichen, die deutlich unter extremen Gaspreisphasen liegen können und stabile Preisniveaus ermöglichen.
Der Effekt lässt sich vereinfacht darstellen:
| Wärmequelle | Preisstruktur |
| Erdgas | stark abhängig vom Weltmarkt |
| LNG | hohe Preisvolatilität |
| Tiefengeothermie | langfristig stabile Kosten |
Der Ausbau der Geothermie wird damit als Preisanker im Wärmesystem wirken.
4. Gaspreise in stabilen geopolitischen Phasen (2010–2019)
Ein Blick auf historische Preisphasen zeigt, warum Importabhängigkeit oft unterschätzt wird. Zwischen etwa 2010 und 2019 bewegten sich europäische Gaspreise häufig in relativ moderaten Bereichen. Typische Großhandelspreise lagen in vielen Jahren ungefähr zwischen 15 und 25 €/MWh.
Diese Phase war geprägt durch:
- Scheinbar stabile Lieferbeziehungen,
- langfristige Pipelineverträge, jedoch teilweise mit kriegslüsternen Partnern
- relativ moderate globale Nachfrage.
In solchen Zeiten erscheint Gas-Importabhängigkeit wenig problematisch, solange keine Kriege absehbar sind oder ausbrechen.
| Zeitraum | Marktcharakter | typische Preisrange |
| 2010–2014 | stabile Pipelineversorgung | etwa 20–25 €/MWh |
| 2015–2019 | LNG-Expansion, moderater Wettbewerb | etwa 15–20 €/MWh |
Diese Stabilität erzeugte in Europa lange Zeit die Illusion, Energieimporte seien dauerhaft unproblematisch.
5. Gaspreise in Krisenzeiten (2021–2023)
Die Situation änderte sich dramatisch ab 2021. Mehrere Faktoren trafen gleichzeitig zusammen:
- steigende globale LNG-Nachfrage,
- geopolitische Spannungen,
- der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Die Folge war eine der größten Energiepreiskrisen der europäischen Geschichte.
| Zeitraum | Ereignis | Gaspreisentwicklung |
| 2021 | Marktverknappung | Anstieg über 50 €/MWh |
| 2022 | Ukrainekrieg | Spitzenwerte über 300 €/MWh |
| 2023 | Marktberuhigung | Rückgang auf etwa 30–60 €/MWh |
Diese Phase zeigt deutlich, wie stark importabhängige Energiesysteme von geopolitischen Ereignissen beeinflusst werden.
6. Neue geopolitische Spannungen (2024–2026)
Auch nach der großen Energiekrise bleibt der europäische Gasmarkt anfällig.
Geopolitische Konflikte im Nahen Osten oder Transportengpässe können weiterhin kurzfristige Preisschocks auslösen. Der Wettbewerbsökonom Justus Haucap betont in energiepolitischen Debatten häufig, dass Märkte besonders anfällig für Preissprünge sind, wenn wenige Anbieter große Marktanteile kontrollieren. Genau diese Situation ist bei globalen Gasimporten entstanden.
7. Heimisches Fracking als Instrument zur Abfederung von Preisspitzen
Heimische Gasförderung würde Deutschland nicht vollständig vom europäischen Gaspreis entkoppeln; würde dazu lediglich Fracking in anderen Ländern „heimisch“ ersetzen, was nicht überall unkritisch gesehen wird.
Aber sie könnte mehrere Effekte erzeugen:
- mehr Angebotsquellen,
- geringere Abhängigkeit von einzelnen Exportländern,
- stärkere Verhandlungsposition bei Importverträgen.
Die Energieökonomin Veronika Grimm argumentiert häufig, dass funktionierende Energiemärkte vor allem durch Wettbewerb zwischen mehreren Angebotsquellen stabilisiert werden. Der entscheidende Punkt lautet daher:
| Argument | Bedeutung |
| Heimisches Gas ist nicht automatisch billiger | richtig |
| Heimisches Gas kann Preisspitzen dämpfen | entscheidend |
Fracking wäre damit weniger ein Preisinstrument im Normalbetrieb, sondern eine Versicherungsoption gegen extreme Marktphasen. Tiefengeothermische Marktpreise haben sich lt. „waermepreise.info“ um die € 100/MWh stabilisiert, Tendenz: durch immer effektivere Bohrkosten fallend.
8. Kombination beider Strategien
Die größte Preisstabilität entsteht durch die Kombination zweier Entwicklungen:
| Strategie | Wirkung |
| Geothermie | reduziert Gasnachfrage, bleibt stabil |
| Wärmepumpen | senken Importabhängigkeit, Rest-THG-Pfad Stromanteil |
| heimische Gasförderung | reduziert Preisspitzenrisiko |
Das Ergebnis ist ein Energiesystem, das sowohl weniger Gas benötigt als auch weniger anfällig für Preisschocks ist.
9. Schlussfolgerung: Zwei Autarkiestrategien für zwei Märkte
Die Analyse zeigt, dass Geothermie und heimisches Fracking zwar unterschiedliche Technologien sind, aber eine gemeinsame strategische Funktion erfüllen können.
| Markt | Strategie | Autarkieeffekt |
| Wärmemarkt | Geothermie | weniger Gasbedarf, Import sinkt |
| Gasmarkt | Fracking | weniger Importabhängigkeit |
| Gesamtwirkung | stabilere Energiepreise |
Die stärkste Argumentation für Fracking liegt daher nicht im Versprechen dauerhaft niedriger Gaspreise. Sie liegt in seiner Rolle als strategischer Preisdämpfer in Krisenzeiten.
Geothermie stabilisiert den Wärmemarkt, weil sie eine lokale kostenfreie Energiequelle erschließt. Geothermie lässt Drittinteressen der Liefernationen fossiler Energien außen vor. Heimisches Fracking könnte gleichzeitig den Gasmarkt stabilisieren, weil es die Importabhängigkeit für den verbleibenden Gasbedarf reduziert.
Gemeinsam gedacht stärken beide Strategien die Fähigkeit eines Landes, Energiepreise weniger stark von geopolitischen Krisen und internationalen Märkten bestimmen zu lassen. Für die Wohnungswirtschaft bedeutet dies: beim Praxispfad darauf achten, Tiefengeothermie und andere nichtfossile Quellen maximal ins Portfolio zu Stabilitätszwecken einzubeziehen.
Langfristig gilt es, in den nun verbleibenden Jahren die Gasbezüge in stabile Langfrist-Verträge zu bringen und die Dekarbonisierung konsequent über nichtfossile Energiebezüge zu planen. Scharfe Nachfragen beim Versorger nach dessen Dekarbonisierungs-Erfolgen nach Carnot oder finnischer Methode inklusive, denn: der EE-Wert wird damit bestimmt und der Mieter zahlt´s.