Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen im Bestand und Nullemissionssysteme

Das Whitepaper I der Praxisgruppe zur wirtschaftlichen Transformation im Sinne des Praxispfades

Berlin, den 29.03.2026

Die vorliegende Ausarbeitung der Praxisgruppe versteht sich nicht als technologieorientierter Einzelbeitrag, sondern als grundlegendes Positionspapier zur Einordnung von Nullemissionsenergien in den realen Transformationspfad der Wohnungswirtschaft. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass die Wärmewende im Gebäudebestand nicht durch einzelne Technologien entschieden wird, sondern durch das Zusammenspiel von Systemkomponenten, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und betrieblichen Optimierungen. Der Bericht zeigt bereits in seiner bisherigen Fassung, dass Wärmepumpen im Bestand technisch funktionieren. Die Erweiterung um strategische Perspektiven – insbesondere aus dem Netzwerk CO₂zero, den Forderungen des GdW sowie den Erkenntnissen der Praxisgruppe CO₂-Reduktion – führt jedoch zu einer entscheidenden Verschiebung: Die Wärmewende wird zur Systemfrage.

Die Praxisgruppe stellt ein Grundsatzpapier vor, das Nullemissionsenergien systemisch betrachtet, wirtschaftlich in den Praxispfad einordnet und damit die Forderungen der Wohnungswirtschaft erfüllt.


Das Whitepaper I und erste Themen-Schwerpunkte

Die wirtschaftliche Verwendung von Wärmepumpen zeichnet sich als belastbare Technologie der anstehenden Nullemissions-Planungen ab. Im Whitepaper I wird dies zunächst vertieft anhand der wichtigsten Einspeise-Quellen der Wärme untersucht: Luft, oberflächennahe Erdwärme und tiefe Erdwärme im Sinne der Anlage 9 des GEG (die sich inhaltlich im GMG kaum ändern dürfte). Hier sind die in diesem Whitepaper zunächst vertieft untersuchten Quellen kenntlich gemacht:

Nullemissionsenergien und die aktuellen Schwerpunkte, Quelle: CO2zero

Die Ironie hierbei: Das aktuell meistverwendete Medium „Luft“ ist hier im Diagramm nicht erwähnt, da omnipräsent ohne Notwendigkeit der wirtschaftlichen Erschließung.

Strategischer Rahmen: CO₂zero, GdW und Praxisgruppe

Die Analyse der CO₂zero-Positionen zeigt einen klaren Paradigmenwechsel. Die Dekarbonisierung wird dort nicht als Austausch einzelner Technologien verstanden, sondern als Aufbau wirtschaftlicher Energiesysteme. Wärmepumpen, Geothermie und Wärmenetze werden nicht getrennt betrachtet, sondern als funktionale Einheiten eines Gesamtsystems, das sich über Temperatur, Lastprofile und Sektorkopplung definiert.

Parallel dazu formuliert der GdW eine wirtschaftlich geprägte Perspektive. Die Wohnungswirtschaft fordert technologieoffene Lösungen, die bezahlbar bleiben und realistische Transformationspfade ermöglichen. Implizit bedeutet dies, dass keine Einzeltechnologie – auch nicht die Wärmepumpe – isoliert die Anforderungen erfüllen kann. Vielmehr sind hybride und systemische Lösungen erforderlich.

Die Praxisgruppe CO₂-Reduktion liefert eine empirische Grundlage. Ihre Auswertungen realer Quartiere zeigen, dass die größten Effizienzgewinne nicht durch Technologiewechsel entstehen, sondern durch betriebliche Optimierung, insbesondere durch die Absenkung von Vorlauf- und Rücklauftemperaturen.

Aktuell eingesetzte wirtschaftliche Nullemissionsquellen in der Wohnungswirtschaft, Quelle: CO2zero

Diese drei Perspektiven greifen ineinander und bilden die strategische Klammer des Berichts:
Systemdenken (CO₂zero), Wirtschaftlichkeit (GdW, Praxispfad) und betriebliche Realität (Praxisgruppe).


Kategorie 1: Luft-Wasser-Wärmepumpen im Bestand

Die Analyse der realen Projekte zeigt, dass Luft-Wasser-Wärmepumpen im Bestand grundsätzlich funktionieren. Besonders das degewo-Zukunftshaus liefert mit einer gemessenen Jahresarbeitszahl von 3,7 einen belastbaren Referenzwert. Ergänzend bestätigen Fraunhofer-Feldtests mit Durchschnittswerten um 3,3 die Praxistauglichkeit dieser Technologie.

Quelle: CO2zero

Vonovia-Projekte und die Erfahrungen aus Werdohl verdeutlichen jedoch eine entscheidende wirtschaftliche Präzisierung: Die Effizienz ist nicht inhärent technologisch garantiert, sondern stark abhängig von der Systemauslegung. In Werdohl zeigt sich exemplarisch, dass erst durch konsequente Absenkung der Vorlauftemperaturen ein wirtschaftlicher Betrieb möglich wird: Basis ist die Auswertung konsequenten Monitorings inkl. Verhinderung des „Power-Using“ als Verursacher zerstörerischer Aktivitäten zum unwirtschaftlichen Hochfahren zentraler Pumpensysteme.

Planwerte, wie sie etwa von der LEG mit Zielgrößen oberhalb von 3,5 formuliert werden, bewegen sich grundsätzlich im erreichbaren Bereich, werden jedoch in der Praxis nur unter optimierten Bedingungen stabil erreicht.

Damit bestätigt sich die zentrale These der Praxisgruppe:
Die Wärmepumpe ist kein autarkes Effizienzsystem, sondern ein sensibler Bestandteil eines temperaturabhängigen Gesamtsystems.


Kategorie 2: Oberflächennahe Geothermie

Im Bereich der oberflächennahen Geothermie zeigt sich ein deutlich stabileres Bild. Die ausgewerteten Projekte erreichen Jahresarbeitszahlen zwischen etwa 4,4 und 6,0 und liegen damit signifikant über den typischen Werten von Luft-Wasser-Systemen.

Bemerkenswert ist die hohe Übereinstimmung zwischen Planwerten und realen Messdaten. Dies deutet darauf hin, dass die zugrunde liegenden physikalischen Bedingungen – insbesondere die stabilen Quelltemperaturen – eine verlässlichere Systemperformance ermöglichen.

Quelle: CO2zero

Gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass diese Technologie nicht beliebig skalierbar ist. Standortabhängigkeit, Investitionskosten und infrastrukturelle Voraussetzungen begrenzen ihren Einsatz im breiten Wohnungsbestand. Damit bestätigt sich auch hier die Position des GdW: Technische Effizienz allein reicht nicht aus, wenn sie nicht wirtschaftlich und flächendeckend umsetzbar ist. Aus den Fehlern der Ampeljahre wurde gelernt.


Kategorie 3: Tiefe Geothermie

Die Integration der Machbarkeitsstudien zu Berlin-Buch (RENEWAC) und Bohnsdorf (RENAB) erweitert den Blick entscheidend. Erstmals liegen hier detaillierte systemische Analysen vor, die die Rolle der tiefen Geothermie im Gesamtsystem klar definieren.

Die Studien zeigen, dass die im Untergrund verfügbaren Temperaturen in vielen Fällen im Bereich von 50 bis 70 °C liegen und damit unterhalb klassischer Fernwärmeanforderungen. Nur sehr tiefe (aktuell: unwirtschaftliche) Horizonte erreichen Temperaturen oberhalb von 100 °C, die eine direkte Nutzung ermöglichen würden.

Quelle: CO2zero

In der Praxis bedeutet dies, dass auch bei der tiefen Geothermie eine Wärmepumpe (wenn auch mit deutlich geringerem Strombedarf) erforderlich bleibt, um die benötigten Systemtemperaturen zu erreichen. Dies ist ein zentraler Befund, der die bisherige Debatte grundlegend verändert.

Die Projekte in Bohnsdorf verdeutlichen dies konkret: Geothermische Quellen liefern Leistungen im Bereich von mehreren Megawatt bei Temperaturen zwischen 48 und 56 °C, die anschließend durch Wärmepumpen auf 70 bis 80 °C angehoben werden müssen, um in bestehende Netze integriert werden zu können.

Damit wird klar, dass die tiefe Geothermie keine Alternative zur Wärmepumpe darstellt, sondern deren systemische Ergänzung ist. Sie übernimmt die Rolle einer stabilen Grundlastquelle, während die Wärmepumpe die notwendige Temperaturanpassung entsprechend des noch vorhandenen Deltas zur Vorlauftemperatur übernimmt.

Die Einbindung weiterer Projektentwickler wie Eavor, OMV Wien und Vulcan Landau bestätigt diesen Trend. Auch dort steht nicht die Einzeltechnologie im Vordergrund, sondern die Integration in komplexe Wärmesysteme.


Systemische Gesamtbewertung

Die Gegenüberstellung aller drei Kategorien führt zu einem eindeutigen Ergebnis. Unabhängig von der jeweiligen Wärmequelle konvergieren alle Systeme auf dieselbe technische Grundstruktur. Diese besteht aus einer Kombination aus Wärmequelle, Wärmepumpe und temperaturangepasstem Netz.

Quelle: CO2zero

Die Unterschiede liegen nicht mehr in der grundsätzlichen Funktionsweise, sondern in der Rolle innerhalb des Systems. Luft-Wasser-Wärmepumpen sind vor allem im dezentralen Einsatz wirtschaftlich skalierbar, oberflächennahe Geothermie bietet hohe Effizienz bei begrenzter Verfügbarkeit, während die tiefe Geothermie das Potenzial hat, als strukturprägende Grundlastquelle in großen Netzen zu fungieren.

Gleichzeitig wird deutlich, dass der entscheidende Engpass nicht im Untergrund oder in der Technologie liegt, sondern im bestehenden Temperaturniveau der Gebäude und Netze. Hohe Vorlauftemperaturen wirken in allen Systemen als Effizienzbarriere.


Schlussfolgerung: Ein Grundsatzpapier im Sinne des Praxispfades

Die vorliegende Analyse bestätigt die Position der Praxisgruppe „Tiefengeothermie/Null-emissionsplanung“. Nullemissionsenergien lassen sich nicht isoliert betrachten, sondern müssen in ein wirtschaftlich tragfähiges Gesamtsystem eingebettet werden. Genau dies entspricht dem Konzept des Praxispfades.

Die Forderungen des GdW nach Bezahlbarkeit und Technologieoffenheit werden durch die vorliegenden Daten nicht nur gestützt, sondern technisch begründet. Ohne Systemintegration, Temperaturabsenkung und betriebliche Optimierung lassen sich weder Effizienz noch Wirtschaftlichkeit erreichen.

Gleichzeitig zeigt die Perspektive von CO₂zero, dass diese systemische Herangehensweise die Voraussetzung für echte Nullemissionsquartiere ist. Die Kombination aus zentralen und dezentralen Lösungen, aus Geothermie, Wärmepumpen und Netzen bildet die Grundlage zukünftiger Energiesysteme.


Wirtschaftlichkeit

Belastbare Vergleiche der Wirtschaftlichkeit wollen erarbeitet werden. Das Whitepaper I nimmt in diesem Sinne zunächst diejenigen Nullemissions-Energien auf, deren Wirtschaftlichkeit mit ersten belastbaren Plandaten am Horizont auftauchen. Wirklich belastbare Vergleiche werden vor Ende 2026 kaum möglich sein. Doch die Datenlage klärt sich zunehmend, konkrete Ergebnisse treffen ein und bilden eine immer solidere Basis zur Beantwortung der Frage, mit welchem Nullemissions-Einsatz der Praxispfad wirtschaftlich begangen werden kann.

In folgenden Whitepaper-Grundlagen wird dies ebenso vertieft wie die Intagration der hier noch nicht untersuchten Nullemissionsquellen im Sinne der Eingangsgrafik. Spannende Ziele: differenzierte CAPX-OPEX-Betrachtungen im Sinne unserer Blog-Einträge


Schlussgedanke

Die Wärmewende ist kein Wettbewerb einzelner Technologien. Sie ist ein Transformationsprozess hin zu integrierten Energiesystemen. Oder präziser formuliert:

Nicht die Wahl der Technologie entscheidet über den Erfolg – sondern die Fähigkeit, sie in ein bezahlbares System zu integrieren.