Völlig neue Finanzoptionen für den Klima/Praxispfad – jetzt im Wissenstransfer

Berlin, den 29.11.2025

Kurzfassung

Das Zusammenspiel aus KfW‑432, dem neuen § 42c EnWG (Energy Sharing), dem Smart‑Meter‑Rollout, dem Geothermie‑Beschleunigungsgesetz (GeoBG), den Förderprogrammen WEG, Kommunaler Richtlinie 4.1.1 sowie 4.1.8, dem PtJ‑Förderschwerpunkt Geothermie sowie der steigenden CO₂-Bepreisung erzeugt für Kommunen und Wohnungswirtschaft einen strategisch relevanten Werkzeugkasten für die defossilisierte Wärme- und Stromversorgung ganzer Quartiere. Ganz neue Perspektiven nach dem flauen Ampel-Brei mit dem unwirtschaftlichen EF-55-Hype.

Wesentliche Erkenntnisse:
• Systemwandel statt Einzelgebäude-Fokus: 

  Quartiere können künftig gleichzeitig erneuerbaren Strom teilen (Energy Sharing), Wärme flexibilisieren (iMSys/15-Min-Konnektivität) und ihre Wärmequellen auf Geothermie bzw. Großwärmepumpen umstellen, dabei massiv Wärmepreise durch hohe Förderungen senken (BEW in Verbindung mit neuen Landes-Förderungen).

• § 42c EnWG ermöglicht erstmals gesetzlich definierte Energy-Sharing-Modelle: 
  Quartiere können lokal erzeugten PV- oder BHKW-Strom gemeinschaftlich nutzen. Die viertelstündliche Messung ersetzt klassische RLM-Zwänge und eröffnet dynamische Betriebsmodelle der Wärmeversorgung. Mit der richtigen Praxispfad-Software können lebendige digitale Zwillinge für validen Mehrwert sorgen

• Smart-Meter-Rollout wird ein strategisches Asset: 
  Gebäude und Anlagen liefern alle 15 Minuten nutzbare Daten. Damit werden CO₂-optimierter Betrieb, Peak-Shaving und flexible Wärmeerzeugung möglich – zentrale Elemente des Praxispfad-Ansatzes.

• GeoBG beschleunigt Geothermie: 
  Schnellere Genehmigungen, verkürzte Rechtswege und vereinfachte Verfahren erhöhen Planungs- und Investitionssicherheit. Tiefe Geothermie wird realisierbarer und damit zum potenziellen Backbone erneuerbarer Quartierswärme.

• PtJ-Explorationsinitiative verschiebt Risiken: 
  Vorstudien, seismische Erkundung und erste Bohrungen werden förderfähig. Risiko und Kosten der Exploration sinken und ermöglichen strukturierte Pfade: Quartierskonzept → Exploration → Investition → Umsetzung. Redundanzen zum WEG? Ja, tatsächlich! Aber ist das nicht fabelhaft?

• CO₂-Kosten werden dominanter Treiber: 
  Der steigende BEHG-/ETS‑2‑Preis macht defossilisierte Wärme zur wirtschaftlichsten Lösung. Energy Sharing + Wärmepumpen + Geothermie senken die Exposition gegenüber fossilen Brennstoffen. Best practices werden aktuell in den Wissenstransfer in wohnungswirtschaftlichen Experten-Austauschrunden eingegeben.

• Praxispfad-kompatible Gesamtlösung: 
  Die neuen regulatorischen Instrumente unterstützen exakt das vom Praxispfad geforderte Strategiebild:  „Fossilfreie Wärmeversorgung + moderate Sanierung (nicht unter EF 85, am besten EF 115) + datenbasierte Betriebsoptimierung“ statt Maximaleffizienz um jeden Preis.

Strategische Leitpfade für Wohnungsunternehmen:
1. Versorgungs-Pfad: Geothermie/Großwärmepumpe + Niedertemperaturnetz + Energy Sharing. 
2. Digital-Pfad: iMSys als CO₂-Steuerungsinstrument (Lastverschiebung, Optimierung, Flexibilität). 
3. CO₂-Kosten-Pfad: Investitionen nach CO₂-Exposition priorisieren und Defossilisierung vor dämmungsdominierte Tiefensanierung setzen.

In Summe entsteht ein realistischer, wirtschaftlicher Transformationspfad zur klimaneutralen Wärmeversorgung – mit hoher Wirkung, geringer sozialer Belastung und klarer Umsetzungslogik. Zusammen mit der EBZ-Akademie, der CO2-Akademie und Wissen Kompakt wird am 09.12.2025 ein kurzer und kostenfreier “Schnupperkurs” von Praktikern der Wohnungswirtschaft angeboten sowie die einzelnen Schwerpunkte in Online-Seminaren aufbereitet, die mit Bildungspunkten der Ingenieurkammern versehen sind.


Ausführliche Fassung:

1. Kontext: Vom Quartierszuschuss zur Systemtransformation

KfW-432 adressiert heute schon Quartiere, Wärmeversorgung und Dekarbonisierung. Wenn man nun den Blick etwas nach vorne weitet, entsteht ein ziemlich spannendes Bündel aus:

  • neuem § 42c EnWG (Energy Sharing),
  • der Ausweitung des Smart-Meter-/iMSys-Rollouts inkl. 15-Minuten-Datenbereitstellung,
  • dem geplanten Geothermie-Beschleunigungsgesetz (GeoBG),
  • dem PtJ-Förderschwerpunkt Geothermie / Explorationsinitiative im 8. Energieforschungsprogramm,
  • und der CO₂-Bepreisung (BEHG / ETS 2) als Kostentreiber fossiler Wärme.

Für die Wohnungswirtschaft ergibt sich daraus ein „Werkzeugkasten“, der sehr gut zu den Zielen der Initiative Praxispfad CO₂-Reduktion im Gebäudesektor passt: Fokus auf defossilisierte Wärmeversorgung, moderate Hüllensanierung und kosteneffiziente CO₂-Reduktion statt maximaler Effizienz am Einzelgebäude.


2. § 42c EnWG (Energy Sharing) + iMSys/15-Minuten-Konnektivität

2.1 Was bringt § 42c EnWG?

Mit der EnWG-Novelle 2025 wird Energy Sharing erstmals gesetzlich geregelt.
Kernpunkte:

  • Gemeinsame Nutzung von Strom aus EE-Anlagen („Energy Sharing“) innerhalb einer lokalen Gemeinschaft, geregelt in § 42c EnWG.
  • Die Betreiber dieser Anlagen werden gegenüber klassischen Lieferanten von Teilen der Lieferantenpflichten entlastet (z. B. keine Pflicht, Reststromverträge anzubieten).
  • Voraussetzung ist u. a. eine Zählerstandsgangmessung statt klassischer RLM-Messung, um erzeugte und verbrauchte Energiemengen viertelstündlich nachweisen und auf Teilnehmer verteilen zu können.

Damit wird eine rechtliche Basis geschaffen für lokale Stromgemeinschaften (z. B. Quartier, Campus, Arealnetz), die gemeinsam erzeugten EE-Strom nutzbar machen – ohne vollständige Gleichstellung mit Energieversorgern.

2.2 iMSys-Verpflichtung & 15-Minuten-Daten

Parallel dazu werden intelligente Messsysteme (iMSys) und ihr Funktionsumfang massiv hochgefahren:

  • Haushalte mit höherem Stromverbrauch und bestimmte Kundengruppen müssen mit iMSys ausgestattet werden; auch optionale Einbaufälle sind zulässig.
  • iMSys erfassen Zählerstandsgänge typischerweise alle 15 Minuten und leiten sie über ein Smart-Meter-Gateway weiter.
  • In der aktuellen MsbG-Novelle wird zudem die Bereitstellungszeit der Daten für Anschlussnutzer und Anlagenbetreiber von 24 h auf 15 Minuten verkürzt – passend zu EU-Vorgaben.

Der Begriff „15-min-Gebäudekonnektivität“ steht zwar nicht im Gesetz, beschreibt aber ziemlich genau, was technisch entsteht: nahezu echtzeitfähige Daten zum Energieverhalten eines Gebäudes bzw. Quartiers. Lebendige digitale Zwillinge eben.

2.3 Zukunftsoptionen daraus (aus Sicht Quartier/Wohnungswirtschaft)

  1. Lokale Energy-Sharing-Communities im Quartier
    • PV-Dachanlagen, BHKW, ggf. Kleinwind können über § 42c als EE-Erzeugerpools organisiert werden.
    • Mieter, Gewerbe und gemeinschaftlich betriebene Anlagen (Aufzüge, Allgemeinstrom, Wärmepumpen) werden hinter einer gemeinsamen Messlogik zusammengefasst und über Zählerstandsgänge bilanziert.
  2. Strom + Wärme koppeln
    • 15-Minuten-Daten ermöglichen die dynamische Fahrweise von Wärmepumpen, Pufferspeichern, E-Boilern etc.
    • In Kombination mit Energy Sharing können PV-Spitzen lokal in Wärme umgewandelt werden (Power-to-Heat), statt Netzentgelte/Abregelung zu zahlen.
  3. Flexibilitäts- und Tarifoptionen
    • Dynamische Stromtarife auf 15-Minuten-Basis werden ohnehin ausgebaut.
    • Wohnungsunternehmen können perspektivisch gebäudebezogene Flexibilität bündeln (Lastverschiebung, Peak-Shaving) und entweder
      • Netznutzungskosten senken oder
      • zusätzliche Erlöse über Aggregatoren / Flexibilitätsmärkte erzielen.
  4. CO₂-optimierter Betrieb & Reporting
    • Mit viertelstündlichen Daten lassen sich CO₂-Emissionen zeitvariabel bewerten (z. B. bei viel Windstrom <-> fossil lastiger Netzstrom).
    • Das passt haargenau zur Idee des Praxispfads, den CO₂-Ausstoß portfoliobezogen zu messen und zu steuern, statt nur Hüll-U-Werte zu optimieren.

3. Optionen aus dem Geothermie-Beschleunigungsgesetz (GeoBG)

Der Entwurf eines Gesetzes zur Beschleunigung des Ausbaus von Geothermieanlagen, Wärmepumpen und Wärmespeichern (GeoBG) wurde im Oktober 2025 in den Bundestag eingebracht.

Wesentliche Elemente:

  • Beschleunigte Genehmigungsverfahren:
    • Bergbaurechtliche Genehmigungen sollen deutlich schneller erteilt werden, Oberverwaltungsgerichte werden teils direkt erstinstanzlich zuständig – kürzere Rechtswege, geringere Verfahrensdauer.
  • Anpassungen im UVP-, Wasser- und Bergrecht:
    • Rahmenbedingungen für tiefe Geothermie und große Wärmepumpen werden vereinfacht und zeitlich gestrafft.
  • Zielsetzung: Ausbau tiefer Geothermie und Großwärmepumpen als Kernpfeiler der klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2045.

3.1 Zukunftsoptionen für Quartiere / Wohnungsunternehmen

  1. Geothermie-basierte Quartiers- und Fernwärme
    • Für Kommunen mit geeigneter Geologie wird Geothermie realistisch erreichbar, weil
      • Genehmigungsrisiken sinken,
      • Verfahrenszeiten kürzer werden,
      • Planungs- und Rechtsunsicherheit reduziert wird.
    • In Kombination mit KfW-432-Quartierskonzepten können prioritäre Versorgungsgebiete identifiziert werden (Geothermie + Wärmepumpe + Niedertemperaturnetz).
  2. Große Wärmepumpen mit erneuerbaren Quellen
    • Das GeoBG umfasst auch Großwärmepumpen und Wärmespeicher, z. B. zur Nutzung von Flusswasser, Abwasser, industrieller Abwärme.
    • Für Wohnungsunternehmen mit großen Beständen entstand bereits mit dem alten BEW-Pogramm die Option, squartiersübergreifenden Wärmenetzen mit geothermischer oder abwärmebasierter Versorgung selbst zu initiieren, was auch gelang.
  3. Planungs- und Investitionssicherheit
    • Wenn Fehlinvestitionen unwahrscheinlicher und Genehmigungen dxurch Versicherung der Fündigkeitsrisiken eher planbar werden, steigt die Bereitschaft, Risiko- und Eigenkapital in solche Projekte zu geben – ein Kernproblem der tiefen Geothermie bisher.

4. PtJ-Förderaufruf „Explorationsinitiative Geothermie“ (8. EFP-Special)

Unter dem 8. Energieforschungsprogramm gibt es beim Projektträger Jülich (PtJ) einen klar auf Tiefengeothermie zugeschnittenen Förderaufruf: die „Explorationsinitiative Geothermie“.

Kerninhalte:

  • Ziel: beschleunigter Ausbau der Tiefengeothermie zur Wärmeversorgung durch Förderung von
    • standortspezifischen Vorstudien,
    • geophysikalischer Erkundung (z. B. Seismik),
    • erster Bohrung,
    • und begleitender wissenschaftlicher Untersuchungen.
  • Fokus auf offene geothermische Systeme mit Zieltiefen ≥ 400 m, i. d. R. hydrothermale Dubletten; erstmals auch petrothermale Systeme förderfähig.
  • Drei Module (Vorstudien, Explorations-/Demoprojekte, wissenschaftliche Begleitung), an die sich Projekte flexibel andocken können.
  • Die Förderlinie ist im Förderschwerpunkt Geothermie des 8. EFP verankert, Einreichung laufend möglich.

4.1 Zukunftsoptionen aus dem PtJ-Call

  1. Geothermie-Risiko in den „Forschungsraum verschieben“
    • Exploration und erste Bohrung sind der teuerste und riskanteste Teil – genau hier setzt der Call an.
    • Kommunale Unternehmen und Stadtwerke können gemeinsam mit Forschungspartnern F&E-Projekte fahren, die spätere Investitionen vorbereiten und Risiken abfedern.
  2. Kombination mit KfW-432 und GeoBG
    • KfW-432: strategische Quartiers- und Wärmeplanung + Sanierungsmanagement.
    • PtJ/8. EFP: vorbereitende Geothermie-Erkundung und Demonstrationsanlagen.
    • GeoBG: vereinfachte Genehmigungs- und Rechtslage für die spätere Umsetzung.
      → In Summe entsteht ein Pfad: Konzept → Explorations-F&E → Investment in Geothermie-Wärmenetz.
  3. Sozioökonomische und Akzeptanzdimension
    • Der Call ermöglicht explizit begleitende Akzeptanz- und Kommunikationsmaßnahmen – wichtig für Quartiere, in denen Bohrungen und Netzumbauten stattfinden.

5. CO₂-Abgaben minimieren: Was bringen diese Optionen?

Die Initiative Praxispfad weist zu Recht darauf hin, dass CO₂-Preis (+ Aufteilung Vermieter/Mieter) künftig einer der stärksten Treiber sein wird – neben GEG-Vorgaben und EU-Taxonomie.

5.1 Wirkmechanismus

  • Für fossile Brennstoffe im Wärmebereich (Gas, Öl) steigt der nationale CO₂-Preis nach BEHG und geht perspektivisch im ETS 2 auf.
  • Diese Kosten schlagen sich in Brennstoffpreis und Nebenkosten nieder; Vermieter und Mieter teilen sich diese Last.
  • Gleichzeitig wird Strom zunehmend erneuerbar erzeugt, während Herkunft und CO₂-Intensität über Zeit variieren.

5.2 Wie helfen die neuen Optionen?

  1. Defossilisierte Wärme (Geothermie, Großwärmepumpen)
    • Wird das Quartier über Geothermie, Abwärme und Großwärmepumpen versorgt, entfallen im Idealfall CO₂-Kosten für Gas/Öl komplett.
    • Betriebskosten bestehen dann vor allem aus Strom (für Pumpen/Wärmepumpen) – dessen CO₂-Preis über das Stromsystem internalisiert wird, aber nicht als Endkunden-CO₂-Abgabe auf Brennstoffe auftritt.
  2. Wärmepumpen in Gebäuden + EE-Strom über § 42c EnWG
    • Wenn Wärmepumpen mit vor Ort erzeugtem EE-Strom aus Energy-Sharing-Modellen betrieben werden, reduziert sich der Bezug von Netzstrom aus fossil geprägter Erzeugung.
    • Damit sinken sowohl CO₂-Intensität der Wärme als auch die Auswirkungen steigender CO₂-Bepreisung auf fossile Brennstoffe (weil sie schrittweise ersetzt werden).
  3. Datenbasierte Optimierung via iMSys
    • 15-Minuten-Daten erlauben:
      • Betrieb von Wärmepumpen und Speichern in Zeiten niedriger CO₂-Intensität,
      • Verringerung von Spitzenlasten, die mit höheren Netzentgelten und ggf. CO₂-intensiver Stromerzeugung zusammenfallen.
    • Für das CO₂-Portfoliomanagement (wie es der Praxispfad fordert) wird so ein feiner, messbarer Steuerungshebel geschaffen.

Wichtig: Das ist keine steuerliche Beratung, aber die Richtung ist klar – je schneller Wärmeversorgung und Stromverbrauch defossilisiert und flexibilisiert werden, desto geringer die Exposition gegenüber steigenden CO₂-Kosten.


6. Einordnung im Sinne des GdW-„Praxispfads“ (5 Professor:innen)

Die Initiative Praxispfad CO₂-Reduktion im Gebäudesektor wurde von fünf renommierten Wissenschaftler:innen (Endres, Fisch, Hebel, Sobek, Walberg) initiiert und vom GdW aufgegriffen.

Zentrale Botschaft:

  • Weg vom Dogma „maximale Energieeffizienz der Gebäudehülle“,
  • hin zu einem kosteneffizienten Emissionsminderungspfad mit:
    1. emissionsfreier Wärmeversorgung (Wärmepumpen, Abwärme, erneuerbare Energien im Quartier),
    2. maßvoller Sanierung statt Tiefensanierung um jeden Preis,
    3. Emissionsminderungspfad bis 2045 mit Monitoring,
    4. Berücksichtigung von grauer Energie und Kreislaufwirtschaft,
    5. Fokus auf Warmmieten-Bezahlbarkeit.

Genau hier fügen sich § 42c EnWG, GeoBG und PtJ-Geothermieaufruf erstaunlich gut ein:

  • § 42c + iMSys liefern die digitale und regulatorische Infrastruktur, um Emissionen im Betrieb systematisch zu reduzieren (EE-Strom lokal teilen, flexibel nutzen, CO₂-optimiert fahren).
  • GeoBG + Explorationsinitiative Geothermie schaffen die Voraussetzungen, Wärmeversorgung quartiers- und netzbasiert zu defossilisieren, ohne überall zwingend auf Passivhausstandard zu gehen.

Damit entstehen konkrete Umsetzungspfade, wie sie der Praxispfad fordert: „grüne Wärmeversorgung + maßvolle Sanierung + datenbasierte Betriebsoptimierung“ anstelle eines rein normativen Effizienzpfads.


7. Eigener Kommentar („Special“)

Wenn man alles zusammenzieht, ist aus Sicht einer Kommune oder eines großen Wohnungsunternehmens zunächst noch ohne das BEW-Programm – grob drei strategische „Praxis-Pfad-Optionen“:

  1. Versorgungs-Pfad: Quartier als EE-Wärme- und Strominsel im Netzverbund
    • Geothermie / Großwärmepumpe + Niedertemperaturnetz als Backbone, beschleunigt durch GeoBG und PtJ-Explorationsförderung.
    • Energy Sharing nach § 42c zur Nutzung von PV-Strom im Bestand (für Haushalte + Wärmepumpen).
    • KfW-432-Quartierskonzepte als planerische Klammer.
      → Ergebnis: sehr hohe CO₂-Reduktion, moderater Eingriff in die Gebäudehülle, Investitionen überwiegend in Infrastruktur statt in jede einzelne Fassade.
  2. Digital-Pfad: iMSys + 15-Minuten-Daten als CO₂-Steuerungsinstrument
    • Ausbau von iMSys nicht nur als Pflichtaufgabe, sondern als strategisches Asset:
      • Energiecontrolling auf Gebäude- und Quartiersebene,
      • datenbasierte Optimierung von Vorlauftemperaturen, Laufzeiten, Speichern,
      • Aufbau eines CO₂-Portfoliomanagements, wie der Praxispfad es vorschlägt.
    • Im nächsten Schritt: Teilnahme an Flexibilitätsmärkten – ein Thema, das heute noch „Nische“ ist, aber durch 15-Minuten-Marktsignale unvermeidbar kommen wird.
  3. CO₂-Kosten-Pfad: aktive Steuerung der CO₂-Exposition
    • Systematisch prüfen: Welche Bestände verursachen die höchsten CO₂-Kosten je Wohneinheit (inkl. BEHG-Preisprojektionen)?
    • Dort priorisiert auf Defossilisierung der Wärmequelle setzen (Geothermie, Wärmepumpe, Netzanbindung) statt zuerst maximale Dämmung anzustreben.
    • Die Entscheidung für oder gegen tiefe Hüllensanierung wird dann ökonomisch begründet (Grenzkosten CO₂-Minderung pro Euro) und nicht allein normativ.

Aus wohnungswirtschaftlicher Sicht ist das Spannende:
Die neuen Rechtsinstrumente (§ 42c EnWG, GeoBG, 8. EFP-Geothermie) schaffen genau die Flankierung, die der Praxispfad fordert – sie ermöglichen es, den politischen Fokus von „Kilowattstunde einsparen“ hin zu „Tonne CO₂ vermeiden“ zu verschieben, ohne die Klimaziele aufzugeben oder die Warmmieten explodieren zu lassen. Im Gegenteil: In ersten Quartieren wird von sinkenden warmen BeKo berichtet!

Das Beste zum Schluss: Wer bisher die Erwähnung der BEW-Förderprogramme vermisst hat, liegt völlig richtig: Die eigentliche, große Förderung war eigentlich für Kommunen und Stadtwerke gedacht, doch nein: auch Wohnungsunternehmen haben hier gleichberechtigt Zugang zur eigentlichen, großen und stabilen Langfrist-Förderquelle. Doch das ist immer noch nicht alles: Bundesland für Bundesland zieht nun Landesprogramme hoch, die mit KTF-Mitteln ausgestattet werden und zusätzlich neunstellige Fördersummen in toto ergeben.

Fazit: Bestände und Portfolien können unter der neuen Regierung umfassend im Sinne des Praxispfades sozialverträglich gestaltet werden. Jede Bohrung bringt uns weiter in Richtung Autarkie von fossilen Stoffen aus teils fragwürdigen Quellen. Wer die Bundes-Wirtschaftsministerin “Gas-Kathi” nennt, disqualifiziert sich als faktenleugnende Bedenkenträger-Person. Wer einseitig auf Gas setzt, legt keine solchen Gesetze und Förderprogramme auf. Ran an die Projekte! Ran an den notwendigen Wissenstransfer! Die Projektingenieure, die in anderen Branchen gerade “freigesetzt” werden, kann die Immobilienwirtschaft gut gebrauchen. Mit ein wenig ergänzender Weiterbildung funktioniert das ganz wunderbar! Und nun: ran an die Projekte!