Tiefengeothermie und Wohnungswirtschaft – Praxisbeispiel einer integrierten kommunalen Wärmeplanung

Berlin, 07.02.2026

Die Arbeiter-Bausgenossenschaft (ABG) Paradies in Berlin-Bohnsdorf entwickelt ein Tiefengeothermie-Projekt als Kern ihrer Wärmestrategie. Eigene Studienergebnisse und Ergebnisse laufender seismischer Erkundungen des Landes Berlin decken sich: hier wird eine Leistung von etwa 5 MW erwartet – ausreichend, um den eigenen Bedarf zu decken und Nachbarliegenschaften einzubeziehen. Durch Bundes- und Landesförderung sowie Integration in den Landes-Aufsuchungsplan entsteht ein kalkulierbarer Rechts- und Finanzrahmen. Ziel ist ein Wärmepreis von rund 100 €/MWh, der CO₂-Abgaben vermeidet und soziale Stabilität sichert. Das Vorhaben zeigt, dass auch fernwärmeferne Quartiere binnen eines Jahrzehnts klimaneutral versorgt werden können, wenn kommunale Wärmeplanung, Geologie und Wohnungswirtschaft konsequent verzahnt werden.

Die Berliner Wohnungsgenossenschaft ABG Paradies zeigt exemplarisch, wie Tiefengeothermie auch in bislang nicht fernwärmeerschlossenen Außenbezirken zur zentralen Säule der Dekarbonisierung werden kann. Eingebettet in die kommunale Wärmeplanung des Landes Berlin verbindet das Projekt geologische Erkundung, öffentliche Förderung und sozial orientierte Wohnungswirtschaft zu einem tragfähigen Transformations-Praxispfad.

Abbildung 1Tiefengeothermie entsprechend erfolgter Machbarkeits-Studie matcht Seismik-Ergebnisse des Landes, Quelle: ABG Paradies

Geologische und planerische Grundlage

Berlin führt nach dem Vorbild Münchens ein gestuftes Erkundungsprogramm durch. Erste Ergebnisse der 2-D-Seismik bestätigen geeignete Strukturen, weshalb das Land nun in eine flächendeckende 3-D-Seismik investiert. Mit der erteilten Aufsuchungsgenehmigung des Landes-Oberbergamtes entsteht ein verlässlicher Rahmen für konkrete Projekte. Die Bestände der ABG können in diesen Landes-Aufsuchungsplan integriert werden, wodurch Genehmigungs- und Schnittstellenrisiken deutlich reduziert werden.

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Technisches Mengengerüst

Die Machbarkeitsstudie der ABG geht von folgenden Eckwerten aus:

  • Geothermische Grundlast: rund 5 MW
  • Wärmebedarf der ABG-Bestände: ca. 4 MW
  • Perspektivische Mitversorgung benachbarter Liegenschaften: 1 MW

Damit könnte der gesamte Bestand weitgehend CO₂-frei versorgt werden. Restemissionen entstehen lediglich durch den Strombedarf möglicher Wärmepumpen, sofern dieser nicht durch Photovoltaik oder Grünstrom gedeckt wird.

Wirtschaftlicher Rahmen

Für das Vorhaben wird ein Investitionsvolumen von rund 3 Mio. € (Förderungen berücksichtigt) angesetzt. Die Finanzierung stützt sich auf:

  • ca. 40 % Bundesförderung über das BEW-Programm,
  • ergänzende Mittel des Landes aus dem Klimatransformationsfonds (KTF),
  • Eigenanteile der Genossenschaft.

Zielgröße ist ein Wärmemischpreis von etwa 100 €/MWh, der langfristige Preisstabilität und Unabhängigkeit von CO₂-Abgaben ermöglicht.

Soziale Einbettung

Die ABG übernimmt eine Mittlerrolle zwischen Energieertrag und Mieterinteressen. Vorteile der Tiefengeothermie werden über die Heizkostenabrechnung nach HKVo an die Mitglieder weitergegeben. Durch die Einbindung in die kommunale Wärmeplanung entsteht ein transparentes Beteiligungsmodell, das Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Bezahlbarkeit verbindet.

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Perspektive

Bei konsequenter Umsetzung kann innerhalb von rund zehn Jahren eine vollständige Umstellung des Bestandes erreicht werden. Das Projekt illustriert, wie Wohnungswirtschaft und öffentliche Hand gemeinsam lokale Wärmequellen erschließen und damit einen strukturellen Beitrag zur Berliner Wärmewende leisten.

Abbildung 2Tiefengeothermie-Optionen für die ABG, Quelle: Bundesverband Geothermie