#praxispfadco2reduktion Katharina Reiche auf dem Handelsblatt-Forum am 27.01.2026: die Fortführung der BEW-Förderung

Rückenwind für die Wärmewende und neue Dynamik für die Wohnungswirtschaft

Berlin, den 28.01.2027

Die Entscheidung der Bundesregierung, die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) fortzuführen, ist ein wichtiges Signal für Kontinuität, Planungssicherheit und Investitionsbereitschaft im Wärmesektor. Insbesondere im Kontext der Wärmewende und der strategischen Neuausrichtung der Nullemissionsplanung und des Praxispfades kommt der BEW eine zentrale Rolle zu – nicht nur als Förderinstrument, sondern als strukturpolitischer Hebel für den sozialverträglichen Umbau der kommunalen Wärmeversorgung. Dies unterstrich Bundesministerin Katharina Reiche gestern zum “Handelsblatt Energiegipfel 2026” in Berlin.

1. Warum die Fortführung der BEW konsequent und folgerichtig ist

Die BEW wurde von Beginn an als Transformationsinstrument konzipiert: Sie soll nicht kurzfristige Effekte erzeugen, sondern den langfristigen Umbau der Wärmenetze hin zu autarken Strukturen ermöglichen. Dass sie nun lt. Ministerin Reiche weitergeführt wird, zeigt, dass die Bundesregierung an dieser Grundlogik festhält und das Grundthema „Gas“ als Brückentechnologie, nicht als belastbare Zukunft einschätzt. Daran ändert im “Gesamt-CO2-Blick” die Quantifizierung von 12 zusätzlich zuschaltbaren Gaskraftwerken aus dem Bereich “Strom” nichts, wenn diese gleich einen erkennbaren Abschalt-Termin bzw. konkrete Randbedingungen im Gepäck haben.

Gerade im Vergleich zu Einzelmaßnahmen im Gebäudebereich (wie etwa dem BEG EM) bietet die BEW entscheidende Vorteile für den Praxispfad CO2-Reduktion:

  • Sozialverträglichkeit als Basis
  • Systemischer Ansatz statt Einzeltechnologien
  • Skaleneffekte durch Netzlösungen
  • Langfristige Dekarbonisierungsperspektive
  • Hohe Investitionssicherheit für Wohnungswirtschaft und Kommunen

Für Technologien mit hohem Investitionsbedarf und langer Laufzeit – wie die Tiefengeothermie – ist diese Planungssicherheit essenziell.


2. Bedeutung der BEW für die Tiefengeothermie

Tiefengeothermie als Schlüsseltechnologie der Wärmewende

Die Tiefengeothermie gilt als eine der wenigen erneuerbaren Wärmequellen, die:

  • unausgeschöpft mit frischem Wind die Gestaltungsoptionen erweitert
  • grundlastfähig ist,
  • unabhängig von Wetter und Jahreszeit arbeitet,
  • große Wärmemengen für Netze liefern kann,
  • langfristig sehr stabile Wärmegestehungskosten bietet
  • CO2-Abgaben vermeidet.

Ihr größtes Hemmnis war bislang weniger die Technik als vielmehr das Investitions- und Fündigkeitsrisiko in der Erschließungsphase – genau hier setzt die BEW an.

BEW-Wirkung auf Geothermieprojekte

Die BEW wirkt für die Tiefengeothermie auf mehreren Ebenen und liefert belastbare Finanzdaten für grundlegende CAPEX-OPEX-Betrachtungen:

  1. Förderung der Erschließung und Integration
    • Förderung von Transformationsplänen als Nullemissionsplanungen
    • Investitionszuschüsse für Erzeugungsanlagen
    • Unterstützung beim Netzumbau
  2. Risikoreduktion
    • Abfederung der hohen Anfangsinvestitionen
    • Verbesserung der Finanzierbarkeit gegenüber Banken
    • Erhöhung der Projektpipeline
  3. Systemintegration
    • Kombination mit Großwärmepumpen, Solarthermie oder Speicherlösungen
    • Einsatz als langfristige Grundlast in FW-unversorgten Quartieren und Wärmenetzen

Gerade durch die Fortführung der BEW entsteht für Geothermieprojekte erstmals ein verlässlicher Förderrahmen über mehrere Jahre, was entscheidend für Investitionsentscheidungen ist. Doch das ist bei weitem nicht alles: es kommen große weitere Förderprogramme aus dem 8. EFP („Tiefengeothermie“), dem KfW 432, den kommunalen Richtlinien KRL und, vor allem, aus den neuen Länderprogrammen in kumuliert neunstelliger Höhe hinzu. Ergänzend liefert die Munich Re eine privatwirtschaftliche Quelle für zusätzliche Absicherungen der Kredit-Rahmenbedingungen. Gute Voraussetzungen für sozialverträgliche Mischpreise.


3. Auswirkungen für Versorger: Planungssicherheit und strategische Optionen

a) Neue Investitionslogik für Stadtwerke

Für kommunale und regionale Versorger bedeutet die BEW-Fortführung vor allem:

  • Planbarkeit über Legislaturperioden hinweg
  • Sicherheit für mehrstufige Transformationspfade
  • Stärkere Rolle als Wärmesystemintegrator

b) Kombination mit Fernwärmeausbau

Die politische Flankierung von Wärmenetzen und KWK macht deutlich:
Wärme soll künftig stärker zentral und netzbasiert organisiert werden.

Für Versorger bedeutet das:

  • Die Wohnungswirtschaft kann ins Boot geholt werden (Quartierblick)
  • Geothermie kann als dauerhafte Erzeugungsbasis dienen,
  • Spitzenlasten können durch andere Technologien ergänzt werden,
  • die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen sinkt dauerhaft.

Gerade in urbanen Räumen mit hoher Wärmedichte ist dies ein strategischer Vorteil – ökonomisch wie klimapolitisch. Aber: in Gebieten ohne FW-Versorgung sind alle Akteure auf sich allein gestellt. Dies betrifft sowohl urbane Quartiere als auch ländlichere Gebiete. Letztere werden ohne Bürgerbeteiligung nicht mit Tiefengeothermie erschließbar sein.


4. Auswirkungen für die Wohnungswirtschaft: Mehr Sicherheit, weniger Risiko

Für Wohnungsunternehmen ist die BEW-Fortführung ein besonders positives Signal – vor allem im Zusammenspiel mit der kommunalen Wärmeplanung in urbanen Großquartieren.

a) Entlastung von Einzelinvestitionen

Die Wohnungswirtschaft steht vor der Herausforderung, ihr Bestandsportfolio klimaneutral im Praxispfad umzurüsten, ohne:

  • Mieten sozial-unverträglich zu erhöhen,
  • massive Einzelinvestitionen in jedes Gebäude tätigen zu müssen,
  • technologische Fehlentscheidungen zu riskieren.

Wärmenetze mit geothermischer Einspeisung bieten hier:

  • planbare Wärmepreise
  • geringere Investitionsrisiken
  • Entkopplung von individuellen Heizsystemen

b) Planungssicherheit für Quartierslösungen

Durch die BEW wird es für Wohnungsunternehmen attraktiver,

  • eigene BEW-Anträge zu stellen, wenn die kommunale Wärmeplanung keine Fernwärmeversorgung vorsieht
  • sich an Wärmenetzen zu beteiligen,
  • langfristige Lieferverträge abzuschließen,
  • Klimaziele über „Wärmetöchter“ zu erreichen, ohne selbst Energieerzeuger zu werden.

Gerade für größere Bestände ist die Tiefengeothermie ein stabiler Baustein, da sie:

  • nicht von CO₂-Preisen abhängig ist,
  • keine Brennstoffkosten im klassischen Sinn verursacht,
  • langfristig preisstabil bleibt.

5. Gesamtbewertung: BEW als strategischer Hebel der Wärmewende

Die Fortführung der BEW ist mehr als eine Förderentscheidung – sie ist ein energiepolitisches Bekenntnis der Ministerin zu:

  • planbarer Wärmewende,
  • kommunaler Verantwortung,
  • technologieoffener, aber strukturierter Transformation.

Für die Tiefengeothermie bedeutet dies:

  • bessere Finanzierbarkeit,
  • stärkere Rolle im Wärmemix,
  • höhere Attraktivität für Investoren und Kommunen.

Für die Wohnungswirtschaft entsteht ein realistischer Pfad zur Dekarbonisierung ohne Überforderung der Mieter. Ergänzender Aspekt: Das CAPEX-OPEX-Dilemma kann offen diskutiert werden, außerdem stellen Luft-Wasser-Wärmepumpen ohne geothermische Einträge bereits eine belastbare Einstiegs-Technologie dar und beweisen die Option sogar sinkender Wärmepreise.

Wohnungsunternehmen werden an Vergleichs-Preiserhebungen zu beteiligen sein und gestalten die sozialverträglichen Wärmepreise auf Nullemissionsbasis so mit.