Praxispfad CO2-Reduktion: Forderungen der „Initiative „Nachweisbasierte Baumethodik“ zur 15-min-Gebäudekonnektivität

Berlin, 22.01.2026

Fast täglich finden wir aktuell Ankündigungen, Vermutungen und Kommentare zum neuen Gebäude-Modernisierungsgesetz (GMG). Als Mitglied der „Initiative Nachweisbasierte Baumethodik“ haben wir Forderungen erarbeitet, die digital gestütztes wie bezahlbares Heizen verbinden und gleichzeitig den Verpflichtungen der EU nachzukommen. Zentral für diese Forderungen sind dabei Gebäudedaten, die zum Teil sogar bereits erhoben, aber nicht zu einer zielführenden Nutzung geführt werden: die Gebäudekonnektivität im 15-min-Takt.

Dieses Potential groß: Mit dem Wissen aus Monitoring- und Verbrauchsdaten lassen sich Praxispfade nicht nur planen, sondern gleich aktiv optimieren: etwa mit gering investiven Maßnahmen zur Mieterkommunikation, der konsequenten Nutzung von Optionen zur Senkung von Vorlauf-Temperaturen bei gleichzeitiger Garantie der gesetzlichen Mindestwerte für die Raumwärme. Insgesamt kann dieser essenzielle Digitalisierungs-Baustein eine wirksame wie nachhaltige Wärmeversorgung flankieren. „Mit der nachweisbasierten Baumethodik und einem guten Monitoring können wir unsachgemäßes „Power-Using“ vermeiden, Kennzahlen generieren und den Praxispfad so optimal steuern. Das „Vermieter-Mieter-Dilemma“ lässt so auflösen und Klimaschutz bezahlbar gestalten“, erklärt Jörg Lorenz, Vorstandsvorsitzender des CO2zero e.V. Gleichzeitig betont er, dass der Blick auf die Daten nur ein Baustein einer gelungenen Gebäudepolitik sein kann. „Der zentrale Blick geht auf die Finanzierbarkeit der zukünftigen Wärme im Kontext der kommunalen Wärmeplanungen. Klare Prioritäten zur digital gestützten Einbettung aller nichtfossilen Energien inkl. Tiefengeothermie und dekarbonisierter Fernwärme müssen her“.

Die Initiative hat konkrete Vorschläge zur optimalen Gebäudekonnektivität entwickelt, um gegebene Strukturen innovativ zu nutzen und Anreize zu schaffen, Gebäudedaten freizugeben.

  1. Energieanalyse aus dem Verbrauch als digitaler Gebäudefingerabdruck

Zentral für die Herangehensweise ist dabei die Idee, reale Verbrauchsdaten in der Betrachtung von Gebäuden zu berücksichtigen. Diese ermöglichen kosten- und wirkungsbezogene Bewertung und decken ineffiziente Anlageeinstellungen auf. Die Initiative bezieht sich hier auf die Energieanalyse aus dem Verbrauch (EAV), ein Verfahren, bei dem eine strukturierte Auswertung gemessener Energieverbräuche vorgenommen wird und fordert, diese als digitalen Gebäude-Fingerabdruck zu etablieren. Es soll als nachweisbasiertes Verfahren zugelassen werden und damit Eingang in die Praxis der Praxispfad-Gestaltung finden. „Das gewährleistet einen ehrlichen Blick auf alle Gebäude, erlaubt eine kostenoptimierte Planung von CO2-fokussierten Ergebnissen aller Sanierungsmaßnahmen im Portfolio und wirkt vertrauensbildend insbesondere auch in Hinblick auf die ESG-Daten und deren Außendarstellung bei Banken und Aufsichtsgremien“, so Lorenz und weist damit auf die Blog-Veröffentlichungen des Netzwerks CO2zero.

  1. Qualitätsbonus für optimal eingestellte Wärmepumpen

Bei der Umrüstung auf Wärmepumpen ist die Qualitätssicherung ein zentraler Aspekt und die Jahresarbeitszahlen im Betrieb sollten nicht unter 3 liegen. Bisher wird der Eindruck vermittelt, die Wärmepumpe sei ein Aggregat wie etwa ein Heizkessel. Dabei werden die Quellen für die entscheidende Jahres-Arbeitszahl ausgeblendet.  Aber die Wärmepumpe lässt sich nicht mit einem einzigen vergleichbaren HU-Faktor für den Gasbrennwert als alleinige Wärmequelle planen. Entscheidender Investitionsfaktor ist die Frage, ob „Luft“ als Standard-Medium zum Einsatz kommt oder geothermische Quellen unterschiedlichster Wärmequalitäten.

Abbildung 1Entscheidende Faktoren für die JAZ von Wärmepumpen sind die Eingangs-Temperaturwerte des Heizmediums je nach Tiefe der Quelltemperaturen, Quelle: Eavor AG

Mittels eines Qualitätsbonus können Messwerte genutzt werden, um die fachgerechte Planung und Ausführung sicherzustellen und im Problemfall nachzusteuern. Um die Daten so einer Überprüfung im Sinne einer langfristigen Qualitätssicherung zu nutzen, soll ein weiterer Bonus dazu anreizen, die Daten an eine zentrale Stelle zu übermitteln.

  1. Strategien für das Einsparen von COerkennen

Das Bemühen um eine verbesserte Datenlage spiegelt sich auch in den anderen Forderungen wider. So schlägt die Initiative vor, nachgewiesene CO– Einsparungen in bereits digitalisierten Gebäuden zu belohnen. Wenn Eigentümer/innen ihre Emissionen substantiell senken, soll das honoriert werden. Weil eine entsprechende Förderung immer auch Daten verlangt, werden so erfolgreiche Strategien für das Einsparen von CO– Emissionen identifiziert und auch verifiziert, welche Maßnahmen zu welchen Einsparungen in der Realität führen.

  1. Innovationsklausel für nachweisbasierte Verfahren öffnen

Bereits jetzt gibt es im Gebäudeenergiegesetz eine Innovationsklausel (§103), die für digitale Verfahren wie die nachweisbasierte Baumethodik erweitert werden soll. Damit kann realitätsnaher geplant werden, die Daten für die Planung und Ausführung und später auch fürs Monitoring genutzt werden und tatsächliche CO2-Einsparungen konkret nachgewiesen werden. Nur dann sind späteren Optimierungen im Betrieb umsetzbar und mittels Datenbanken auch quantifizierbar.

  1. Randbedingungen für klare Orientierung

Die Randbedingungen für das neue Gebäudemodernisierungsgesetz müssen verbindlich festgelegt werden: gegenwärtig werden CO₂-Faktoren für Fernwärme sehr verschieden bewertet und mittels eines einheitlichen und nachweisbasierten Ansatzes können Daten harmonisiert werden. Die Dekarbonisierung des Stromnetzes schreitet voran, aber wird gegenwärtig nur statisch im GEG berücksichtigt, dabei wird z.B. Tiefengeothermie bereits mit ORC-Technologie als Stromerzeungs-Quelle genutzt. Die einseitige Betrachtung dieser Ressource „nur als Wärmequelle“ ist passé, eine Fülle neuer Technologien wie etwa die gemeinsame Nutzung von Lithium-Förderquellen, Rechenzentren usw. gestalten neue Horizonte. Für Gasnetze sind verbindliche, überprüfbare Dekarbonisierungsfahrpläne vorzuschreiben, wobei Förderungen ausschließlich nachweislich klimafreundliche Lösungen berücksichtigen dürfen. Die bestehenden Vorgaben des GEG sowie die Wasserstoff-Fahrpläne der Bundesnetzagentur (FAUNA) sind zu konkretisieren und als Zulässigkeitskriterium für gasgebundene Lösungen anzuwenden. Energy-Sharing im neuen § 42 c ENWG ist in das Gebäudemodernisierungsgesetz einzubetten, Bilanzräume sind zu erweitern und dynamische Preissignale zur Stärkung von Prosumern und zur Entlastung der Netze zu nutzen. Harmonisierte Datenaustauschformate, vereinfachte 15-Minuten-Messungen auf Basis des § 42 c ENWG, offene Standards und ein barrierefreier Zugang zu Daten sind verbindlich umzusetzen.

Die neue europäische Gebäuderichtlinie legt großen Wert auf die Digitalisierung von Gebäudedaten. Unsere Vorschläge zeigen, wie wir diesem Anspruch gerecht werden können, wie wir zugleich zu einer ehrlichen Bewertung unserer Gebäude und Versorgungsnetze kommen und die Dekarbonisierung effizient und auf lange Sicht kostengünstig voranbringen.

Hier finden Sie die konkreten Forderungen der Initiative „Nachweisbasierte Baumethodik“.

 Hier finden Sie die aktuelle Pressemitteilung als Druckvorlage (PDF).

Bildinformationen:
Bildrechte: Eavor AG, CO2zero e.V.

Pressekontakt:

Jörg Lorenz
CO2zero e. V.
Alt-Schönow 12
14165 Berlin
Telefon: +49 179 4549780
kommunikation@co2zero.group

Über den CO2zero e.V.

Unser Netzwerk informiert über sofort umsetzbaren Lösungen und Finanzierungen zum Ersatz fossiler Brennstoffe in der Heizwärme-Erzeugung inkl. umfangreicher Drittmittel-Nutzungen. Die Instrumente dazu werden aus den zwei kooperierenden Handlungsrahmen als Zangenbewegung gebildet:

  • Anlageneffizienz auf Basis skalierfähiger Einzelbausteine als gering investive Maßnahmen (grün)
  • Dekarbonisierung auf Basis bisher unausgeschöpfter EE-Potenziale der mittleren und tiefen Geothermie, kalten Wärmenetzen und Abwärmenutzung (orange).

Abbildung 2 Grundlagen der Nullemissions-Planung, Quelle: CO2zero e.V.