ETS 1 und ETS 2 – wie Emissionshandel die Wärmewende im Wohnungsmarkt beeinflusst
Berlin, den 10.03.2026
Der geplante Einsatz der Einnahmen aus ETS 1 für industrielle Dekarbonisierung berührt indirekt auch das neue Emissionshandelssystem EU Emissions Trading System 2 (ETS 2). Dieses startet 2027 für Gebäude und Straßenverkehr und ist damit unmittelbar mit der Wärmewende im Wohnungsmarkt verknüpft. Die Wechselwirkungen betreffen vor allem Preiswirkung, Einnahmenverwendung und Investitionslogik.

1. ETS 2 verteuert fossile Wärme im Gebäudesektor
ETS 2 führt einen CO₂-Preis für Brennstoffe ein, die bisher nicht im europäischen Emissionshandel enthalten waren:
- Heizöl
- Erdgas
- Flüssiggas
- Kraftstoffe im Verkehr
Für Haushalte bedeutet das:
fossile Heizsysteme werden schrittweise teurer. Damit entsteht ein stärkerer wirtschaftlicher Anreiz für:
- Wärmepumpen
- Fernwärme
- erneuerbare Wärmequellen wie Tiefengeothermie
Aus ökonomischer Sicht verbessert ETS 2 also grundsätzlich die OPEX-Wettbewerbsfähigkeit klimaneutraler Wärme.
2. ETS 2 erzeugt neue Einnahmen für die Mitgliedstaaten
Wie beim bestehenden Emissionshandel entstehen auch beim neuen System staatliche Einnahmen aus Zertifikatsauktionen. Ein Teil davon fließt in den Social Climate Fund, der soziale Härten abfedern soll.Der restliche Anteil bleibt bei den Mitgliedstaaten und könnte theoretisch genutzt werden für:
- Gebäudesanierung
- Wärmenetze
- erneuerbare Wärmetechnologien
- kommunale Transformationsprogramme
Damit könnte ETS 2 eine wichtige Finanzierungsquelle für die Wärmewende werden.
3. Risiko einer Mittelverschiebung
Wenn jedoch parallel die Einnahmen aus ETS 1 stärker für Industriepolitik reserviert werden, entsteht ein politischer Druck, ETS-2-Einnahmen ebenfalls anders zu priorisieren. Mögliche Szenarien:
- Sozialpolitische Priorisierung
Mehr Mittel fließen in Entlastungsprogramme für Haushalte. - Haushaltskonsolidierung
Einnahmen werden teilweise für allgemeine Staatsbudgets genutzt. - Quersubventionierung anderer Sektoren
Mittel könnten ebenfalls in industrielle Transformation umgeleitet werden.
Damit besteht das Risiko, dass weniger Geld für strukturelle Wärmewende-Infrastruktur bleibt.
4. CAPEX-OPEX-Spannung verstärkt sich
Durch ETS 2 entsteht eine typische Transformation:
| Wirkung | Bereich |
| steigende CO₂-Preise | OPEX fossiler Heizungen |
| Investitionsbedarf | CAPEX klimaneutraler Infrastruktur |
Das Problem:
ETS 2 verbessert vor allem die laufende Wirtschaftlichkeit klimaneutraler Wärme – nicht automatisch deren Finanzierung.
Für kapitalintensive Technologien wie Tiefengeothermie bleibt der Engpass daher bestehen:
- hohe Bohrkosten
- lange Projektlaufzeiten
- hohe Anfangsrisiken
5. Bedeutung für Fernwärme, Speicherbauwerke und Tiefengeothermie
Gerade im Fernwärmesektor könnte ETS 2 eine wichtige Rolle spielen.
Wenn fossile Wärme teurer wird:
- steigt die Nachfrage nach klimaneutraler Fernwärme
- Kommunen müssen schneller neue Wärmequellen erschließen
Ohne ausreichende Investitionsmittel könnte jedoch ein strukturelles Problem entstehen:
Die Nachfrage wächst schneller als die Infrastruktur. Das betrifft besonders:
- geothermische Fernwärme
- große Wärmenetzprojekte
- saisonale Speicher
6. Gesamtwirkung von ETS 1 und ETS 2 auf die Wärmewende
Die beiden Emissionshandelssysteme wirken unterschiedlich auf die Wärmewende:
| System | Hauptwirkung |
| ETS 1 | Finanzierungspotenzial durch Auktionserlöse |
| ETS 2 | Preissignal für fossile Wärme |
Wenn ETS-1-Einnahmen stärker in die Industrie fließen, verschiebt sich das Gleichgewicht:
- stärkerer Preisdruck auf fossile Heizungen
- aber möglicherweise weniger Investitionsförderung für Alternativen
Für kapitalintensive Technologien wie Tiefengeothermie bedeutet das:
➡ Die Wirtschaftlichkeit verbessert sich langfristig,
aber die Realisierung neuer Projekte könnte schwieriger werden.
✅ Kurz gesagt:
ETS 2 erhöht den ökonomischen Druck zur Dekarbonisierung der Gebäudeheizung. Wenn jedoch gleichzeitig Fördermittel aus ETS 1 fehlen, entsteht ein strukturelles Problem: Der CO₂-Preis treibt die Transformation an, aber die Finanzierung der Infrastruktur bleibt ein Engpass.