BMWE bereitet Regulatorik für Preistransparenz in der Fernwärme vor
Regulierung, Marktstruktur und die Rolle der Tiefengeothermie als Kosten- und Klimafaktor
Berlin, 30.01.2026 2026

1. Einordnung: Preistransparenz als nächster legislativer Klärungspunkt auf der Tagesordnung des BMWE; Fernwärme im Zentrum der Wärmewende
Die Fernwärme gewinnt im Zuge der kommunalen Wärmeplanung und der Dekarbonisierung des Gebäudesektors erheblich an Bedeutung. Sie ermöglicht die Nutzung großskaliger, erneuerbarer und klimaneutraler Wärmequellen, die im Einzelgebäude nicht verfügbar sind – etwa Abwärme aus Abwasser und Rechenzentren, Großwärmepumpen oder Tiefengeothermie.
Gleichzeitig ist der Fernwärmemarkt strukturell besonders sensibel:
- natürliche Monopolstrukturen,
- langfristige Investitionszyklen,
- begrenzte Wechselmöglichkeiten für Kundinnen und Kunden.
Diese Kombination macht Transparenz zu einem zentralen ordnungspolitischen Instrument, um Akzeptanz, Investitionssicherheit und Verbraucherschutz miteinander zu verbinden.
2. Preistransparenz als neues Regulierungsinstrument
Die Bundesregierung verfolgt nun – nach erfolgter Verabschiedung des GeoBG – das Ziel, die bisher freiwillige Preistransparenz (waermepreise.info) in der Fernwärme in eine verbindliche, standardisierte Struktur zu überführen. Im Kern geht es um drei Zielsetzungen:
- Vergleichbarkeit herstellen
Preise sollen zwischen Netzen nachvollziehbar werden – unter Berücksichtigung regionaler Unterschiede. - Vertrauen stärken
Transparente Preisbildung reduziert Konflikte und Akzeptanzprobleme. - Investitionssicherheit schaffen
Klare Regeln schaffen Planungssicherheit für Versorger und Kommunen.
Die derzeitige Branchenplattform waermepreise.info dient dabei faktisch als Pilotphase. Das BMWE macht Druck, , dass diese in eine verpflichtende Lösung überführt werden soll. Große Versorger wie etwa BEW Berlin haben dies akzeptiert und machen mit.
Special zum Portal wärmepreise.info
3. Geothermie als struktureller Vorteil im Fernwärmesystem
3.1 Systemische Eigenschaften
Geothermie, speziell Tiefengeothermie unterscheidet sich grundlegend von fossilen oder biogenen Wärmeerzeugern:
| Merkmal | Tiefengeothermie |
| Brennstoffkosten | Keine |
| Preisvolatilität | Sehr gering |
| CO₂-Emissionen | Nahe Null im Betrieb |
| Verfügbarkeit | Grundlastfähig |
| Lebensdauer | > 30 Jahre |
| Importabhängigkeit | Keine |
Diese Eigenschaften machen sie besonders geeignet für langfristige Wärmenetze mit hoher Auslastung.
3.2 Kostenseite: Warum Geothermie langfristig preisdämpfend wirkt
Zwar sind die Investitionskosten hoch (Bohrung, Erschließung, Wärmetauscher, Netzanbindung), doch entscheidend ist die Kostenstruktur über den Lebenszyklus:
Typische Kostenstruktur (vereinfacht):
- Investition (CAPEX): hoch, doch abgefedert durch Bundes-Zuschüsse und Risikoübernahmen der Fündigkeit sowie der Munich Re
- Betriebskosten (OPEX): sehr niedrig
- Brennstoffkosten: keine
- Preisrisiken: minimal
Im Vergleich dazu:
- Gasbasierte Fernwärme → hohe Brennstoffkosten, hohe Volatilität
- Biomasse → steigende Rohstoffpreise, begrenzte Verfügbarkeit
- Abwärme → stark standortabhängig
➡️ Geothermie verschiebt Kosten von variabel zu fix – und stabilisiert damit langfristig Wärmepreise. Der Wohnungswirtschaft stehen alle Förderinstrumente aus BEW, KfW 432 und weiteren Länderprogrammen genauso offen wie Versorgern. Dadurch können eigene Quartiere mit eigenen Bohrungen bzw. Quartier-Zuordnungen versorgt werden.
3.3 CO₂-Wirkung und regulatorischer Vorteil
Im Kontext der Klimaziele gewinnt ein Aspekt zunehmend an Bedeutung:
CO₂-Kosten werden strukturell eingepreist.
Tiefengeothermie:
- vermeidet CO₂-Abgaben vollständig,
- verbessert den Primärenergiefaktor von Netzen,
- erhöht die Förderfähigkeit (BEW, KfW),
- reduziert regulatorische Risiken.
In einem künftigen Preistransparenzsystem wird dieser Vorteil sichtbar, weil:
- CO₂-Anteile ausgewiesen werden,
- Preisbestandteile differenziert dargestellt werden,
- klimafreundliche Netze günstiger erscheinen.

4. Praxisbeispiele (typisierte Anwendung)
Beispiel 1: Kommunales Fernwärmenetz (20–50 MWth)
- Umstellung von Gas-KWK auf Tiefengeothermie
- Investitionsphase: 3–5 Jahre
- Ergebnis:
- stabile Wärmepreise über Jahrzehnte
- deutliche CO₂-Reduktion (>90 %)
- hohe Akzeptanz durch Preisstabilität
Beispiel 2: Stadterweiterung / Neubauquartier
- Kombination aus Geothermie + Wärmepumpe
- Geringe Betriebskosten
- Sehr günstige Primärenergiefaktoren
- Vorteilhaft in Förderkulissen und Quartierskonzepten
Beispiel 3: Bestandsnetz mit schrittweiser Dekarbonisierung
- Einspeisung geothermischer Grundlast
- Spitzenlast weiterhin fossil
- Schrittweise Reduktion der CO₂-Intensität
- Glättung von Preisschwankungen
5. Bedeutung der Transparenzplattform für Geothermie
Die geplante Preistransparenzplattform wirkt für geothermische Projekte doppelt positiv:
- Wirtschaftlicher Vorteil wird sichtbar
- stabile Preise
- geringe Volatilität
- niedrige CO₂-Kosten
- Investitionsargumente werden belegbar
- Vergleichbarkeit gegenüber fossilen Netzen
- bessere Kredit- und Förderbedingungen
- höhere politische Akzeptanz
Transparenz wird damit nicht zum Risiko, sondern zum strategischen Vorteil geothermischer Wärmeerzeugung.

6. Fazit
Die geplante Preistransparenzplattform markiert einen Wendepunkt in der Fernwärmepolitik:
- Sie macht Preisbildung nachvollziehbar,
- stärkt Verbraucherrechte,
- erhöht die Qualität politischer Steuerung,
- und belohnt langfristig klimafreundliche Systeme.
Tiefengeothermie profitiert davon in besonderem Maße:
- als CO₂-arme Grundlasttechnologie,
- als preisstabile Wärmequelle,
- und als Schlüsselelement resilienter Wärmenetze.
In einem transparenten Markt wird sie nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch zur Referenz.
7. Wohnungswirtschaftlicher Planungsbeispiel ABG Berlin
