Aus der Nische zum Rollout: Tiefengeothermie als belastbare Zukunftsenergie
Aus der Nische zum Rollout: Tiefengeothermie als belastbare Zukunftsenergie
Wohnungswirtschaft, Finanzierung, Wissenschaft und Geothermie stellen zunehmend dieselbe Frage
Lange wurde Tiefengeothermie vor allem als technisches Thema diskutiert: Wo befinden sich geeignete geologische Formationen? Welche Temperaturen können erschlossen werden? Wie tief muss gebohrt werden – und wie groß ist das Fündigkeitsrisiko?Diese Fragen bleiben wichtig. Doch die Diskussion verschiebt sich. Nicht mehr allein die technische Machbarkeit steht im Mittelpunkt. Immer stärker geht es darum, wie aus Tiefengeothermie ein finanzierbarer, skalierbarer und für Stadtwerke und Wohnungswirtschaft wirtschaftlich tragfähiger Bestandteil der Wärmeversorgung werden kann.

So schauen die Stakeholder auf das Thema: GdW, IHK Berlin, Bundesverband Geothermie, DMT sowie Akteure aus Finanzierung, Wissenschaft und Energiewirtschaft setzen unterschiedliche Schwerpunkte – kommen aber zunehmend bei denselben Erkenntnissen an.
Der GdW stellt die Gamechanger-Frage
Besonders bemerkenswert ist die Positionierung des GdW. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft hat Tiefengeothermie nicht nur im Zusammenhang mit der Townhall aufgegriffen, sondern sie auch in seine eigene Kommunikation zum Wärmenetzpaket aufgenommen.
Eine der fünf GdW-Grafiken trägt die Überschrift:
„Tiefengeothermie: Verbesserte Finanzierung ist wichtiges Signal.“

Der GdW verweist dabei auf KfW-Finanzierung, die Absicherung der risikoreichen Bohrphase sowie langfristige Finanzierungsmöglichkeiten für Erzeugung, Speicherung und Wärmenetze. In einem weiteren Beitrag stellt der Verband sogar die Frage:
„Tiefengeothermie als Gamechanger für die Immobilienwirtschaft?“
Damit verändert sich die Perspektive. Für die Wohnungswirtschaft zählen nicht allein Bohrtiefe und Megawatt. Entscheidend werden Investitionssicherheit, Wärmepreise, Bezahlbarkeit und langfristige Kalkulierbarkeit.
IHK: Der gleiche Begriff
Auch IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner spricht von „Gamechanger-Potenzial“ und verbindet Tiefengeothermie mit langfristig stabilen Wärmekosten und größerer Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern. Ihre entscheidende Frage lautet:
Was braucht es, damit aus Pilotprojekten ein breiter Rollout wird?
Genau hier liegt der Wendepunkt. Eine Technologie kann technisch funktionieren und trotzdem wirtschaftlich nicht skalieren. Ein breiter Rollout entsteht erst dann, wenn Risiken kalkulierbar, Investitionen finanzierbar und Geschäftsmodelle langfristig tragfähig werden.
DMT bringt dazu die Perspektive auf Untergrund, Fündigkeits- und Betriebsrisiken ein. Das Ziel sind nicht immer neue Einzelprojekte, sondern belastbare Investitionsentscheidungen und skalierbare Lösungen.
Finanzierung wird zum Schlüssel
Tiefengeothermie besitzt eine besondere Investitionsstruktur: Wenn Risiken künftig besser abgesichert und gleichzeitig langfristige Finanzierungsmöglichkeiten für Erzeugung und Infrastruktur verfügbar werden, verändert sich die Wirtschaftlichkeitsrechnung erheblich.
Deshalb ist es ein wichtiges Signal, dass bei der Townhall auch die KfW unmittelbar vertreten sein wird. Zwei der drei bundesweit tätigen KfW-Kundenbetreuer des Infrastrukturbereichs haben ihre Teilnahme angekündigt und wollen die aktuellen Finanzierungsmöglichkeiten erläutern.
Geologie, Finanzierung und Wohnungswirtschaft treffen damit unmittelbar aufeinander.
Die Bohrung allein macht noch kein intelligentes Quartier
Für uns reicht diese Betrachtung allerdings noch nicht weit genug. Eine erfolgreich erschlossene Tiefengeothermiequelle ist zunächst eine Wärmequelle. Die wohnungswirtschaftliche Frage lautet:
Wie integrieren wir diese Quelle optimal in die Energieversorgung ganzer Quartiere?
Bemerkenswert ist deshalb, dass inzwischen auch der Bundesverband Geothermie und der GdW im Umfeld der Veranstaltung ausdrücklich Digitalisierung und Energy Sharing thematisieren. Damit rückt das integrierte Quartier in den Mittelpunkt: Tiefengeothermie kann mit Photovoltaik, Großwärmepumpen, Speichern, lokaler Stromerzeugung, digitaler Mess- und Steuerungstechnik und perspektivisch Energy Sharing verbunden werden.
Die Technologien stehen dann nicht einfach nebeneinander. Sie werden energiewirtschaftlich miteinander verknüpft.
Aus dem klassischen Heizungskeller wird zunehmend ein digitaler Heizungskeller, aus einzelnen Gebäuden ein energetisch vernetztes Quartier.
Unsere zentrale These lautet deshalb:
Die Zukunft der Wohnungswirtschaft entscheidet sich nicht im Heizungskeller – sondern im intelligent vernetzten Quartier.
Am Ende entscheidet der Wärmepreis Für Wohnungsunternehmen und Mieter zählt letztlich nicht die technische Eleganz eines Versorgungskonzeptes. Entscheidend ist, was die Wärme langfristig kostet.
Deshalb darf die Diskussion nicht allein lauten:
Welche Technologie hat heute die niedrigsten Investitionskosten?
Sondern:
Welche Kombination ermöglicht über Jahrzehnte eine sichere, klimaneutrale und möglichst bezahlbare Wärmeversorgung?
Für die Wohnungswirtschaft wird die Energiefrage damit letztlich zur Warmmietenfrage. Aus einzelnen Signalen entsteht ein Muster: Betrachtet man die derzeitigen Aussagen zusammen, ergibt sich ein bemerkenswertes Bild:
Der GdW bringt Wohnungswirtschaft, Wärmepreise und Investitionsfähigkeit ein.
Die IHK Berlin spricht vom Gamechanger-Potenzial und dem Rollout.
DMT bringt Untergrund, Risiko und Skalierbarkeit ein.
Die KfW bringt Finanzierung und Risikoabsicherung an den Tisch.
Der Bundesverband Geothermie verbindet die Technologie zusätzlich mit Digitalisierung und Energy Sharing.
Damit zeichnet sich ein Übergang ab:
Von der Technologie zur Infrastruktur.
Vom Einzelprojekt zum Geschäftsmodell.
Aus der Nische zum Rollout.
Am 31. August kommen diese Perspektiven an einen Tisch
Genau deshalb verstehen wir die Townhall Tiefengeothermie in der IHK Berlin nicht als klassische Geothermieveranstaltung.
Wohnungswirtschaft. Geothermie. Finanzierung. Wissenschaft. Energieversorgung. Digitalisierung.
Die entscheidende Frage lautet inzwischen nicht mehr allein:
Funktioniert Tiefengeothermie?
Sondern:
Wie machen wir sie gemeinsam zum Standard?
Wenn es gelingt, geologische Potenziale, Risikoabsicherung, langfristige Finanzierung, Wärmenetze, Digitalisierung und intelligente Quartiersmodelle miteinander zu verbinden, könnte aus einer lange als Nischentechnologie wahrgenommenen Wärmequelle ein wesentlicher Bestandteil des Dekarbonisierungspfades der Wohnungswirtschaft werden.
Aus der Nische zum Rollout. Darüber diskutieren wir am 31. August 2026 in der IHK Berlin.